Deutschland
ALS: Ergebnisse der 124. ALS-Sitzung
Stellungnahme 2025/01 – „Natürlichkeit von Lebensmittelzusatzstoffen“
Der ALS stellt klar, dass das Recht nicht zwischen „natürlichen“ und „künstlichen“ Zusatzstoffen unterscheidet. Die Bezeichnung „natürlich“ kann aber dennoch verwendet werden, wenn sie nicht irreführend ist. Der beschlossene Entscheidungsbaum soll bei der Einordnung helfen.
Stellungnahme 2025/08 – Kennzeichnung des Produktverantwortlichen
Bei der Angabe des Sitzes nach Art. 15 Abs. 1 Buchst. c VO (EG) Nr. 1935/2004 muss immer eine postalisch zustellbare Adresse genannt werden. Das verantwortliche Unternehmen muss für Verbraucher und Behörden eindeutig erreichbar sein.
Quelle: BVL
ALTS: Ergebnisse der 95. Arbeitstagung
Zeitraum: 23.06.–25.06.2025
Kategorie: Lebensmittelhygiene / tierische Lebensmittel
Beschluss 2025/95/17 – Mikrobiologische Beschaffenheit von Eiswürfeln und Crushed Ice
Der ALTS empfiehlt ein einheitliches Beurteilungsschema für Eiswürfel, Crushed Ice, Splitter- und Scherbeneis aus der Gastronomie. Bei Überschreitung der Richtwerte bestehen Hinweise auf hygienische Mängel oder eine nachteilige Beeinflussung im Sinne der LMHV.
Beurteilungsschema
| Parameter | Einheit | m | M |
|---|---|---|---|
| Koloniezahl bei 22 °C | KbE/ml | 1.000 | 10.000 |
| Koloniezahl bei 36 °C | KbE/ml | 100 | 1.000 |
| Coliforme Keime | KbE/100 ml | 1 | 10 |
| Escherichia coli | KbE/100 ml | 0 | 0 |
| Intestinale Enterokokken | KbE/100 ml | 0 | 0 |
Praxisrelevanz:
Bei Überschreitung von m sollte die Hygienepraxis überprüft werden. Bei Überschreitung von M besteht der Verdacht auf eine nachteilige Beeinflussung.
Beschluss 2025/95/22 – Chickennuggets in der (System-)Gastronomie
Produktangaben auf Preistafeln dürfen nicht so gestaltet sein, dass Verbraucher typische Chickennuggets erwarten, obwohl die tatsächliche Beschaffenheit abweicht. Fehlende Hinweise etwa auf Fleischanteil, Feinzerkleinerung oder Flüssigwürzung können irreführend sein.
Quelle: BVL
Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes
Inkrafttreten: 23.07.2025
Die Übergangsregelung wurde vom 01.08.2025 auf den 01.03.2026 verschoben. Bis dahin dürfen kennzeichnungspflichtige Lebensmittel unter bestimmten Voraussetzungen weiter in Verkehr gebracht oder gekennzeichnet werden, auch wenn sie noch nicht den neuen Vorschriften entsprechen.
Praxisrelevanz:
Mehr Zeit für die Umstellung der Kennzeichnung und Erleichterungen im Vollzug.
Quelle: BGBl. 2025 I Nr. 165 vom 22.07.2025
BVL-Bericht zum Schnellwarnsystem RASFF
Datum: 24.07.2025
2024 wurden im RASFF erstmals mehr als 5.300 Meldungen erfasst. Ein auffälliger neuer Trend waren Meldungen zu Fruchtgummis mit Muscimol, einer psychoaktiven Pilzsubstanz. Solche Produkte bergen insbesondere für Kinder erhebliche Risiken.
Praxisrelevanz:
Relevant für Handel, Überwachung und Verbraucherkommunikation, insbesondere bei importierten Süßwaren.
Quelle: BVL
Europa
Eurobarometer 2025 zur Lebensmittelsicherheit
Datum: 24.09.2025
Laut EFSA fühlen sich die Bürger in Europa besser über das EU-Lebensmittelsicherheitssystem informiert als noch 2022. Besonders hoch ist das Vertrauen in Ärzte, Wissenschaftler und Verbraucherorganisationen.
Kernaussagen:
- 79 % halten EU-Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit für wirksam
- 76 % sehen Wissenschaft als Grundlage der Beratung
- Fernsehen bleibt wichtigste Informationsquelle, verliert aber an Bedeutung
- Suchmaschinen und soziale Netzwerke gewinnen weiter an Einfluss
Quelle: EFSA
Neues EFSA-Tool zum Management von Prozesswasser
Datum: 30.01.2025
Die EFSA empfiehlt kombinierte Strategien aus Desinfektion und Wassernachspeisung, um die mikrobiologische Qualität von Prozesswasser bei Obst, Gemüse und Kräutern zu sichern. Ergänzend wurde die App WaterManage4Youentwickelt.
Praxisrelevanz:
Besonders relevant für Hersteller frischer, geschnittener oder tiefgekühlter Produkte.
Quelle: EFSA
Frankreich: Täuschung bei Lieferdiensten aufgedeckt
Datum: 08.08.2025
Die französische DGCCRF stellte bei 21 % der kontrollierten Betriebe Verstöße fest. Beanstandet wurden unter anderem irreführende Angaben wie „hausgemacht“, „frisch“ oder „lokal“ sowie fehlende Allergeninformationen.
Praxisrelevanz:
Wichtig für Gastronomie, Lieferdienste und Plattformbetreiber.
Quelle: DGCCRF / economie.gouv.fr
Neue Höchstgehalte für anorganisches Arsen in Fisch und Meeresfrüchten
Geltung seit: 08.10.2025
Mit der Änderungsverordnung (EU) 2025/1891 gelten neue Höchstgehalte für anorganisches Arsen in Fisch, Krebstieren, Muscheln und Kopffüßern.
Quelle: ABI L 2025/1891 vom 18.09.2025
Neuartige Lebensmittel: neue Zulassungen
2025 zugelassen wurden unter anderem:
- Öl aus Schizochytrium limacinum
- Öl aus Cyperus esculentus (Tigernuss/Erdmandel)
- Kalium-Magnesium-Trichlorid-Hexahydrat
Praxisrelevanz:
Relevanz für Hersteller, Produktentwicklung und Kennzeichnung.
Neue INCI-Liste veröffentlicht
Datum: 10.07.2025
Die neue INCI-Liste enthält 30.418 Einträge. Zusätzlich ist spätestens ab 31.07.2026 die erweiterte Kennzeichnung allergener Duftstoffe anzuwenden.
Quelle: Amtsblatt der EU / IKW
Weitere EU-Entscheidungen
Hier solltest du nicht jede Verordnung als langen Fließtext bringen.
Besser als kompakte Liste:
- Änderung der Einfuhrregelungen für Geflügel aus Drittländern
- Änderungen zu amtlichen Kontrollen tierischer Erzeugnisse
- Berichtigungen und Änderungen im Novel-Food-Recht
- Anpassungen bei Rückstandshöchstgehalten
- Neue gesundheitsbezogene Angabe zu grünen Kiwis
- Jahresprogramm 2026 für Kontrollen der Kommission
- Änderungen zu Zusatzstoffen und Speziallebensmitteln
Tipp: Zu jeder Verordnung nur ein Kurzsatz + Aktenzeichen.
Wissenschaft
KI-gestützte Prognose der Lebensmittelhaltbarkeit
Im Projekt „Zukunftslabor Lebensmittelhaltbarkeit 2030“ wurden Verfahren entwickelt, mit denen sich Haltbarkeit und Lebensmittelsicherheit künftig mittels KI und innovativer Messmethoden besser vorhersagen lassen. Modellprodukt war Schweinehackfleisch.
Praxisrelevanz:
Potenzial für weniger Lebensmittelverschwendung und präzisere Haltbarkeitsbewertung.
Quelle: MRI
Metall-Küchenutensilien: Ergebnisse geben überwiegend Entwarnung
Das BfR hat Daten eines bundesweiten Monitorings ausgewertet. Die meisten untersuchten Metallgegenstände setzten nur geringe Mengen an Stoffen frei. Einzelne Produkte waren jedoch aus toxikologischer Sicht nicht geeignet.
Quelle: BfR, Stellungnahme 038/2025 vom 22.09.2025
PFAS in Konsumgütern und Kosmetika
Untersuchungen aus der Schweiz zeigen PFAS-Belastungen in verschiedenen Alltagsprodukten. Für 2026 werden erste Verbote erwartet.
Quelle: BAV-Institut, 30.09.2025
PFAS in Hühnereiern
Das BfR sieht bei den untersuchten Eiern keine Überschreitung gesetzlicher Höchstgehalte. Eier und Eiprodukte tragen jedoch weiterhin zur gesamten PFAS-Exposition bei.
Quelle: BfR, Stellungnahme 043/2025 vom 06.10.2025
Weitere wissenschaftliche Meldungen
Als kurze Einträge eignen sich außerdem:
- Krankheitserreger-Screening nach außergewöhnlichem Flugzeugvorfall
- FAQ zu 3-MCPD-, 2-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern
- FAQ zu Kaffee, Energy Drinks und Koffeinpulver
- BfR/MRI: „Jodsalz“ als vereinfachte Bezeichnung ausreichend
- LAVES: Nachweis von Kürbis in Kürbisbrot per Metabarcoding
