Seit zehn Jahren tauschen sich Behörden in Europa digital über Verstöße im Agrar-, Lebensmittel- und Futtermittelbereich aus. Was 2016 mit einer ersten Onlineplattform für die Allgemeine Amtshilfe begann, ist heute ein umfassendes europäisches Warn- und Kooperationsnetzwerk.
Ziel ist es, Informationen über grenzüberschreitende Verstöße schnell an die zuständigen Behörden weiterzugeben und gemeinsam geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Vom AAC zum europäischen Kooperationsnetzwerk
2016 wurde eine Onlineplattform für die Administrative Assistance and Cooperation (AAC) eingeführt. Sie sollte den Informationsaustausch zwischen den europäischen Behörden bei Verstößen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelrecht erleichtern.
Seit Oktober 2019 erfolgt die Kommunikation über iRASFF. Die Plattform verbindet unter anderem das bekannte europäische Schnellwarnsystem RASFF mit der Allgemeinen Amtshilfe AAC.
Nach und nach kamen weitere spezialisierte Netzwerke hinzu:
- FFN – Agri-Food Fraud Network: Verdachtsfälle von Lebensmittel- und Agrarbetrug
- PHN – Plant Health Network: Pflanzengesundheit
- PAN – Pet Animals Network: grenzüberschreitende Probleme und illegaler Handel mit Heimtieren
- AWN – Animal Welfare Network: Verstöße gegen Tierschutzvorschriften
Gemeinsam bilden diese Bereiche heute das Alert and Cooperation Network (ACN).
Wann kommt das AAC zum Einsatz?
Das AAC dient vor allem dem Austausch zwischen den unmittelbar betroffenen Behörden bei grenzüberschreitenden Verstößen, von denen keine unmittelbare Gesundheitsgefahr ausgeht.
Das unterscheidet die Allgemeine Amtshilfe vom Schnellwarnsystem RASFF. Besteht eine Gefahr für die Gesundheit, werden über das RASFF unverzüglich alle Netzmitglieder informiert, damit schnell Maßnahmen ergriffen werden können.
Über das AAC können beispielsweise Verstöße bei Lebensmitteln, Futtermitteln, Pflanzenschutz oder Tieren ausgetauscht werden, sofern sie nicht in ein spezialisiertes Netzwerk oder das Schnellwarnsystem fallen.
Deutschland besonders aktiv
Die Zahlen zeigen, wie intensiv die digitale Amtshilfe inzwischen genutzt wird.
2025 wurden europaweit 3.146 Meldungen über das AAC-Netzwerk übermittelt.
Davon hatten 1.542 Meldungen einen Bezug zu Deutschland. Mit 1.077 selbst erstellten Meldungen war Deutschland erneut das Land mit den meisten Meldungen – noch vor Österreich mit 320 und Belgien mit 279 Meldungen.
Damit stammte etwa jede dritte AAC-Originalmeldung aus Deutschland.
Häufigstes Problem: falsche Kennzeichnung
Ein großer Teil der deutschen Meldungen betraf 2025 Lebensmittel.
Besonders häufig wurden Obst und Gemüse, Süßwaren sowie Nahrungsergänzungsmittel beanstandet. Dabei ging es vor allem um fehlerhafte oder fehlende Kennzeichnungen.
Insgesamt betrafen 70 Prozent der gemeldeten Verstöße Kennzeichnungsmängel oder fehlerhafte Angaben. Dazu gehörten beispielsweise:
- fehlende oder falsche Zutatenlisten,
- fehlerhafte Nährwertangaben,
- unzulässige gesundheitsbezogene Aussagen („Health Claims“),
- falsche oder unvollständige Produktbezeichnungen.
Weitere Meldungen betrafen unter anderem Pflanzenschutzmittelrückstände, nicht zugelassene Zusatzstoffe sowie Mängel bei Verarbeitung, Lagerung oder Transport.
Lebensmittelbetrug: eigenes Netzwerk
Besteht der Verdacht, dass Verbraucher vorsätzlich getäuscht werden sollen, kommt das Agri-Food Fraud Network (FFN) ins Spiel.
2025 wurden darüber europaweit 294 Meldungen ausgetauscht. Deutschland erstellte 62 Meldungen und erhielt ebenso viele von anderen Mitgliedstaaten.
Ein auffälliges Thema waren Beanstandungen bei Olivenöl. Außerdem spielten verdächtige Postsendungen mit Nahrungsergänzungsmitteln und unzulässigen gesundheitsbezogenen Angaben eine Rolle.
Tierschutz erstmals umfassend digital vernetzt
Seit 2025 spielt auch das Animal Welfare Network (AWN) eine wichtige Rolle. Es ermöglicht den europäischen Behörden, sich über Verstöße gegen Tierschutzvorschriften bei Haltung, Transport und Schlachtung auszutauschen.
2025 wurden 929 Meldungen über dieses Netzwerk übermittelt. Deutschland war an 388 Fällen beteiligt.
Die meisten Beanstandungen betrafen Tiertransporte – beispielsweise Verletzungen bei Geflügel, problematische Temperaturen, fehlende Zulassungen oder Dokumente sowie eine zu lange Transportdauer.
Gemeinsam gegen illegalen Welpenhandel
Ein weiteres spezialisiertes Netzwerk ist das Pet Animals Network (PAN). Es wurde im Oktober 2024 eingeführt und beschäftigt sich insbesondere mit grenzüberschreitenden Problemen beim Handel und Transport von Hunden und Katzen.
2025 wurden bereits 594 Meldungen ausgetauscht.
Häufig ging es um illegal verbrachte Tiere, fehlende oder ungültige Tollwutimpfungen, falsche Heimtierausweise und sogar gefälschte Dokumente. Ein Schwerpunkt liegt damit auf der Bekämpfung des illegalen Welpenhandels.
Auch die Pflanzengesundheit gehört dazu
Über das Plant Health Network (PHN) tauschen Behörden Informationen über nicht vorschriftsmäßige Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse sowie gefährliche Pflanzenschädlinge aus.
2025 wurden in diesem Netzwerk 183 Meldungen von EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und der Schweiz erstellt. In Deutschland ist das Julius Kühn-Institut die nationale Kontaktstelle für diesen Bereich.
Zehn Jahre digitale Zusammenarbeit
Aus einer Plattform für die Amtshilfe im Lebensmittel- und Futtermittelbereich ist innerhalb von zehn Jahren ein umfassendes europäisches Netzwerk entstanden.
Lebensmittelverstöße, Betrugsverdacht, Tierschutz, illegaler Heimtierhandel oder Pflanzengesundheit: Die verschiedenen Behörden können heute Informationen schneller, gezielter und grenzüberschreitend austauschen.
Damit zeigt das AAC-Jubiläum auch, wie wichtig die Digitalisierung für eine moderne Lebensmittel- und Agrarkontrolle geworden ist. Denn Waren, Tiere und Lebensmittel überschreiten täglich Grenzen – und eine wirksame amtliche Kontrolle muss ihnen folgen können.
Quelle: https://www.bvl.bund.de/

