Einführung eines Richtwerts für Cereulid zur Erhöhung der Lebensmittelsicherheit
Nach einer weltweiten Welle von Rückrufen bei Säuglingsnahrungsprodukten hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen wissenschaftlich basierten Richtwert für den Giftstoff „Cereulid“ in Babynahrung vorgeschlagen. Damit reagiert die EU auf die jüngsten Kontaminationen und will eine einheitlichere Grundlage schaffen, um künftig schneller Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit von Säuglingen zu treffen.
Warum ist das wichtig?
In mehreren Ländern, darunter auch in EU-Mitgliedstaaten, wurden in den letzten Wochen Babynahrungserzeugnisse verschiedener Hersteller vorsorglich zurückgerufen. Grund dafür war ein bakterieller Giftstoff namens Cereulid, der von bestimmten Stämmen des Bakteriums Bacillus cereus gebildet wird und Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen verursachen kann. Besonders bei sehr jungen Säuglingen kann dies zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.
Die Kontamination war in einer Rohstoffzutat festgestellt worden, die unter anderem in Produkten der großen Hersteller Nestlé, Danone und Lactalis verwendet wurde. Diese Firmen hatten daraufhin in zahlreichen Ländern Chargen verschiedener Marken vorsorglich aus dem Verkauf genommen.
Der neue EU-Richtwert
Auf Anfrage der Europäischen Kommission hat die EFSA erstmals einen Acute Reference Dose (ARfD) festgelegt – also eine wissenschaftlich begründete tägliche Höchstmenge, die kurzfristig als unbedenklich gilt. Für Säuglinge wurde ein Wert von 0,014 Mikrogramm Cereulid pro Kilogramm Körpergewicht und Tag vorgeschlagen.
Ausgehend von dieser Bezugsgröße hat die EFSA auch Grenzwerte für fertig zubereitete Säuglings- und Folgeformelnberechnet:
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Für klassische Säuglingsnahrung: mehr als 0,054 µg/L
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Für Folgenahrung: mehr als 0,1 µg/L
Liegt der Cereulid-Gehalt darüber, könnte dies nach Ansicht der EFSA zu einer Überschreitung des Sicherheitswerts und damit zu einem Risiko für Babys führen.
Diese Empfehlung dient dazu, Behörden in den EU-Mitgliedstaaten zu unterstützen, ihre Rückruf-Entscheidungen schneller und harmonisiert zu treffen. Die neuen Richtwerte sind zunächst wissenschaftliche Orientierungshilfen und noch nicht europaweit gesetzlich bindend.
Reaktionen aus Industrie und Politik
Die EU-Kommission und nationale Behörden begrüßen die EFSA-Bewertung als wichtigen Schritt für die Lebensmittelsicherheit, insbesondere im sensiblen Bereich der Säuglingsnahrung. Gleichzeitig machen Hersteller deutlich, dass sie mit den Behörden kooperieren, um weitere Risiken zu minimieren und die Sicherheit der Lieferketten zu verbessern.
Verbraucherorganisationen pochen darauf, dass klare, verbindliche Grenzwerte langfristig in EU-Recht umgesetzt werden sollten, um Unsicherheiten bei der Bewertung von Pestiziden und Mikroorganismen in Lebensmitteln zu vermeiden. Experten sehen in den jüngsten Entwicklungen einen Wendepunkt in der Risikobewertung für Lebensmittelinhaltsstoffe, die bislang nicht durch feste Grenzwerte geregelt waren.
Was bedeutet das für Eltern und Verbraucher?
Eltern sollten folgende Punkte beachten:
✔️ Sämtliche Rückruf-Hinweise aufmerksam prüfen und betroffene Produkte nicht weiter verwenden.
✔️ Bei möglichen Symptomen nach dem Konsum von Säuglingsnahrung (z. B. Erbrechen, Durchfall) sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
✔️ Die neuen EU-Richtwerte sollen helfen, Risiken künftig besser zu erkennen und schneller zu handeln – aber sie ersetzen nicht die aktuelle Kommunikation der nationalen Lebensmittel- und Gesundheitsbehörden.
Fazit
Mit dem vorgeschlagenen Richtwert für den Bakterien-Giftstoff Cereulid setzt die EU erstmals eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die Bewertung von Giftstoffgehalten in Säuglingsnahrung. Dies kann künftig dazu beitragen, Lebensmittelsicherheit schneller, transparenter und einheitlicher zu gewährleisten, insbesondere bei Produkten für die verletzlichste Altersgruppe – unsere Babys.
Quellen:
https://www.euractiv.com/
https://lebensmittelpraxis.de/
https://www.aerzteblatt.de/
https://dairynews.today/global/news/

